Digital Real Estate: Von «Blockchain», «PropTech» und Künstlicher Intelligenz in der Immobilienbranche.

Digital Real Estate: Von «Blockchain», «PropTech» und Künstlicher Intelligenz in der Immobilienbranche.
13 June 2019, Philipp Lombriser im Gespräch mit Simon Caspar

Digital Real Estate: Von «Blockchain», «PropTech» und Künstlicher Intelligenz in der Immobilienbranche.

Am 4. Juni fand die erste «Power Session Digital Real Estate» zwischen der pom+Consulting AG und SBB Immobilien im LAB100 statt. Was ist die Idee hinter dem Event und wie steht es um die Themen Künstliche Intelligenz, «Blockchain» und «PropTech» in der Immobilienbranche? Darüber habe ich mich mit Simon Caspar, Partner bei pom+Consulting AG unterhalten.

Was ist die Idee hinter den «Power Sessions»?

Wir haben das Event zusammen mit SBB Immobilien ins Leben gerufen, um einen gemeinsamen Raum für Ideen zu schaffen, um Innovation voranzutreiben sowie konkrete Use Cases und Trends in der Immobilienwirtschaft zu diskutieren. Dieser Austausch erlaubt uns, gemeinsam zu lernen, Wissen zu verknüpfen und so voneinander so profitieren.

Welche Trends und Innovationen wurden im Rahmen der «Power Session» besprochen?

Diskutiert wurde unter anderem über künstliche Intelligenz (KI), «Location Transparency» und «Blockchain». Diese Themen sind allgegenwärtig. Wir sehen aktuell jedoch noch einen Gap zwischen Wunsch und Realität. «Blockchain» beispielsweise wird derzeit stark gehypt. Wir gehen allerdings davon aus, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich konkrete Anwendungen in der Breite abzeichnen. Real Estate Anwendungen im Bereich KI sind für uns spürbarer, wobei KI insbesondere im Bereich «Internet of Things» (IoT) eine grosse Rolle spielt. Zunehmend finden solche Ansätze auch Einzug in ganz andere Bereiche wie z.B. im Portfolio- und Assetmanagement für die Prognose von Miet- und Transaktionspreisen. Die breite Verfügbarkeit von Wissen und Technologie zur KI senkt die Eintrittsschwelle für die Anwendung – oft ist es für User gar nicht erst erkennbar, dass im Hintergrund bereits eine KI im Einsatz ist.

Warum fehlen heute die konkreten «Blockchain»-Anwendungen in der Immobilienbranche? Und wie könnten solche aussehen?

Es gibt eine Vielzahl an Ideen zur Anwendung der «Blockchain» in der Immobilienbranche, jedoch erst wenige realisierte Lösungen. Bestehende Use Cases, wie z.B. Anwendungen im Bereich des Auftrags- und Vertragswesen durch sogenannte «Smart Contracts» können heute allerdings auch mit anderen Möglichkeiten umgesetzt werden, denn «Blockchain» dient nach wie vor als Technologie und nicht zwingend als Enabler. Die wohl am weitesten entwickelte «Blockchain»-Anwendung in der Immobilienwirtschaft ist die «Tokenisierung» von Liegenschaften und zielt darauf ab, Miteigentum leichter zu erwerben und zu handeln. So wurde kürzlich die erste Schweizer Immobilie in Baar ZG über die auf der «Blockchain»-Technologie basierten Transaktionsplattform von blockimmo «tokenisiert». Ein anderes spannendes Segment einer möglichen «Blockchain»-Anwendung ist beispielsweise ein «on-the-chain» Grundbuchamt.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung von KI in der Immobilienwirtschaft ein?

Der Einsatz von KI stellt eine grosse Chance dar – darin sind sich Immobilienexperten einig. Zugegebenermassen ist der heutige Einsatz noch überschaubar, was nicht zuletzt an aktuell höher priorisierten Themen liegt, wie z.B. dem «Housekeeping» der zur Verfügung stehenden Daten (single point of truth). Dennoch gibt es bereits viele «PropTech»-Firmen, die KI anwenden. Ihr Fokus liegt darauf, Daten aus Dokumenten automatisch und strukturiert auszulesen, an Kernsysteme weiterzuleiten und das Dokument im Datenraum am richtigen Ort abzulegen. Weiter kann durch Einsatz von KI die Produktivität gesteigert werden, indem z.B. Liegenschaftsbewertung oder Vorgänge im Rechnungs- und Zahlungsverkehr automatisiert werden. Auch in der Werterhaltung von Immobilien kann KI nützliche Unterstützung leisten: «Predictive Maintenance», Fehlererkennung und Diagnose, Kategorisierung von Wartungstickets oder verbesserte Gebäudeautomatisierung sind nur einige der vielfältigen Möglichkeiten.

Welche anderen technologischen Trends zeichnen sich zurzeit in der Immobilien-Branche ab?

Die im Rahmen von zunehmend intelligenten Gebäuden verbaute Hardware braucht auch eine Betrachtung aus Sicherheitssicht. Hier stellt sich gerade für institutionelle Investoren und Bewirtschafter die Frage, wie die Technik in den Liegenschaften vor Cyberangriffen geschützt werden kann. Ebenfalls ist der Trend erkennbar, dass die nötige Hardware immer mehr zentralisiert wird, um somit den Betrieb, zu welchem unter anderem «Patching von Servern» etc. gehört, effizienter gestalten zu können.

Im Weiteren stellen wir fest, dass Unternehmen neben ihren organisatorischen auch die IT-systemtechnischen Schnittstellen bereitstellen wollen, damit Partner zukünftig besser an die eigenen Systeme angebunden werden können. Dabei geht es für Investoren darum, die Datenhoheit des Portfolios zurückzugewinnen. Eine Alternative dazu stellen «Adaptive Case Management» Lösungen dar, um Geschäftsprozesse ganzheitlich zu digitalisieren. Damit können u.a. Medienbrüche zwischen Eigentümer, Bewirtschafter und weiteren Dritten reduziert oder eliminiert werden und Prozesslaufzeiten durch systemgestütztes Arbeiten bzw. Einbinden in den digitalen Prozess optimiert werden.

Wohin bewegt sich die «PropTech»-Szene in der Schweiz?

In der Schweiz wie auch international hat sich eine starke «PropTech»-Szene entwickelt. Dabei ist eine Vielfalt an Innovationen entstanden, die sich neuer Technologieansätze bedienen. Wir stellen fest, dass dabei häufig Nutzer- und Mieterbedürfnisse in den Fokus gerückt werden. Das mag auch daran liegen, dass dank neuer Technologien neue Daten generiert werden können, die wiederum für nie dagewesene Transparenz und Möglichkeit sorgen, u.a. was die optimierte Steuerung von Immobilien-Portfolios betrifft. Für Investoren und Eigentümer ist es nun entscheidend, sich fundiert mit «PropTechs» auseinanderzusetzen und die neuen Technologien optimal in bestehende Systemlandschaften einzubetten, um so eine prozessübergreifende, integrierte Lösung herbeizuführen.

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Simon Caspar
Simon Caspar
Simon Caspar ist Mitglieder der Geschäftsleitung bei der pom+Consulting AG und leitet die Business Unit «Digital Solutions». Gemeinsam mit drei Service Units verantwortet er die technische Seite der digitalen Transformation, u.a. bei der Digitalisierung von Prozessen, der Verknüpfung und Analyse von Daten sowie der Integration neuer Technologien. Der dipl. Betriebsökonom FH und EMBE HSG doziert zudem an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ) im Lehrgang «Digital Real Estate».

interviewt von

Philipp Lombriser
Philipp Lombriser
Philipp Lombriser works as a business analyst at SBB IT and is involved in various digitisation and innovation projects at SBB Real Estate. Since autumn 2017 he is part of the "Smart Station" core team where he is responsible for various projects in the IoT and Data Analytics area. Philipp holds a Master's degree in Business Informatics from the University of Utrecht and a Master's degree in Innovation Management from the HWZ.
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